Book Reviews of Der Ekel

Der Ekel
Der Ekel
Author: Jean-Paul Sartre
ISBN-13: 9783499105814
ISBN-10: 3499105810
Publication Date: 1/1/1982
Rating:
  • Currently 3/5 Stars.
 1

3 stars, based on 1 rating
Publisher: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
Book Type: Paperback
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Ein den Mitmenschen und der Aussenwelt entgegengebrachtes, sich steigerndes Ekelgefühl veranlasst den Gelehrten Antoine Roquentin, seine alltäglichen Verrichtungen und Eindrücke minuziös aufzuzeichnen. Dabei kommt eine wachsende sarkastische Distanz gegenüber dem bourgeoisen Milieu der Provinzstadt Bouville, in der er sich zu Forschungszwecken aufhält, zum Ausdruck, z. B. beim Besuch des Museums mit seinen Porträts erfolgreicher Bürger. Im Mittelpunkt steht die radikal neue Erfahrung des Ekels: >>Jetzt begreife ich; ich entsinne mich besser an das, was ich neulich am Strand gefühlt habe, als ich diesen Kiesel in der Hand hielt. Das war eine Art süssliche Ãbelkeit. Wie unangenehm das doch war! Und das ging von dem Kiesel aus, ich bin sicher, das ging von dem Kiesel in meine Hände über. Ja, das ist es, genau das ist es: eine Art Ekel in den Händen.<< Hinter dieser physischen Empfindung alles Seienden, das als überflüssig empfunden wird, verbirgt sich Sartres Sicht auf das Prinzip der Existenz, zu der die Materie und die Menschen verurteilt sind. Die pessimistische, oft nihilistische Einsicht in die Sinnlosigkeit solchen Daseins gewährt dem Tagebuchschreiber aber auch eine Freiheit zweiten Grades. Am Ende der Aufzeichnungen beschliesst Roquentin, nach Paris zu ziehen. Die Kellnerin Madeleine legt ihm zum letzten Mal eine Jazzplatte auf, und mit dem Erklingen der Melodie >>Some of these days you'll miss me, honey<< entsteht in ihm die Idee, man könne durch einen authentischen Akt seine Existenz rechtfertigen. Nachdem er die Alternative >>Leben oder Erzählen<< zum Thema gemacht hat, mündet der Abschied aus der Stadt für den 30-Jährigen, der sein Leben hinter sich zu haben glaubte, in den Gedanken an eine >>andere Art von Buch. Ich weiss nicht so recht, welche - aber man müsste hinter den gedruckten Wörtern, hinter den Seiten etwas ahnen, das nicht existierte, das über der Existenz wäre.<<

Da die Begegnungen mit Menschen in ihm von Tag zu Tag mehr Ekel aufsteigen lassen, vereinsamt der Protagonist der Geschichte zusehends. Der Ekel über diese absurde und sinnentleerte Existenz aller Menschen, dann wieder abgrundtiefer Hass, den wohl der Neid schürt, über die Unbekümmertheit der einfachen Menschen so dahinleben zu können. Er schafft es einfach nicht, so gedankenlos dahinzuleben. Er selbst hat so mit der Bürde seiner Existenz zu tun, dass er das Leben kaum ertragen kann. Sich selbst nicht, die anderen aber erst recht nicht.

Oder ist es nur die Langeweile und die Unbedeutsamkeit des eigenen Lebens, die ihn so verzweifeln lässt? Ekel wird zu seinem Lebenselixier. Es geht um die Machtlosigkeit, um die Verzweiflung des eigenen Ãberlebenmüssen. Für einen Lebensüberdrüssigen enthält dieses existenzialistische Werk Sartres viel von der Ausweglosigkeit, von der inneren Zwanghaftigkeit der Abneigung gegen die AuÃenwelt, die ab einem bestimmten Punkt gar nicht mehr plausibel nachvollziehbar ist, sondern einfach sukzessive von Tag zu Tag beängstigend ansteigt.